Gut zu wissen: Was feiern wir am Reformationstag?
Am 31. Oktober ist Reformationstag. Für evangelische Christen – und damit für die allermeisten Siebenbürger Sachsen – gehört er zu den wichtigsten Feiertagen des Jahres. Doch was wird an diesem Tag eigentlich gefeiert?
Was 1517 in Wittenberg geschah
Am 31. Oktober 1517 veröffentlichte der Mönch und Theologieprofessor Martin Luther in Wittenberg 95 Thesen. Darin kritisierte er den Ablasshandel: Die Kirche verkaufte damals Ablassbriefe, die gegen Geld von Sündenstrafen befreien sollten. Luther war überzeugt, dass sich Gottes Gnade nicht kaufen lässt.
Ob er die Thesen wirklich an die Tür der Schlosskirche schlug, ist unter Historikern umstritten. Ihre Wirkung ist es nicht: Innerhalb weniger Wochen verbreiteten sie sich in ganz Europa und stießen die Reformation an. Aus ihr gingen die evangelischen Kirchen hervor.
Die Reformation in Siebenbürgen
Luthers Gedanken kamen schnell auch nach Siebenbürgen – mit Kaufleuten, Büchern und Studenten. Eine zentrale Figur war der Kronstädter Gelehrte Johannes Honterus. In Kronstadt setzte sich die Reformation 1542 durch. 1543 gab Honterus ihr mit dem sogenannten Reformationsbüchlein für Kronstadt und das ganze Burzenland feste Formen. 1547 erschien in seiner Druckerei die „Kirchenordnung aller Deutschen in Siebenbürgen“, die die Sächsische Nationsuniversität 1550 zum Gesetz erhob – Honterus selbst erlebte das nicht mehr, er starb 1549.
Seitdem gehören die allermeisten Siebenbürger Sachsen der Evangelischen Kirche A. B. an – „A. B.“ steht für Augsburger Bekenntnis. In manchen Orten ging der Wechsel besonders schnell: In Rosenau trat schon 1542–1543 der größte Teil der Gemeinde zum Luthertum über. Und in Kronstadt, wo Honterus wirkte, können Sie auf unserer Glockenkarte die Glocken der Stadtpfarrkirche hören.
Ein Feiertag – aber nicht überall
In Deutschland ist der Reformationstag in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen ein gesetzlicher Feiertag, seit 2018 auch in Bremen, Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein. In Bayern und Baden-Württemberg, wo viele Siebenbürger Sachsen leben, ist er ein normaler Arbeitstag – dort ist dafür am 1. November Allerheiligen frei; in Baden-Württemberg haben die Schulen am Reformationstag immerhin frei. Die evangelischen Gemeinden feiern den Reformationstag trotzdem mit Gottesdiensten. Auch Radio Siebenbürgen hat heute um 10 Uhr einen Gottesdienst zum Reformationsfest übertragen.
Und was hat Halloween damit zu tun?
Eigentlich nichts – außer dem Datum. Der Name kommt vom englischen „All Hallows‘ Eve“, dem Abend vor Allerheiligen. Der Brauch hat seine Wurzeln vor allem in Irland, kam im 19. Jahrhundert mit Auswanderern nach Amerika und von dort seit den 1990er-Jahren auch zu uns. Viele evangelische Gemeinden erinnern deshalb gern daran, dass der 31. Oktober zuerst Reformationstag ist.
In unserer neuen Reihe „Gut zu wissen“ erklären wir ab jetzt immer wieder kurz Feiertage, Bräuche und Begriffe aus der Geschichte und dem Leben der Siebenbürger Sachsen. Haben Sie einen Wunsch, was wir als Nächstes erklären sollen? Schreiben Sie uns an .
Quellen: Deutsche Biographie, Artikel „Honter, Johannes“ (NDB/ADB); Wikipedia, Artikel „Reformationstag“; zur Kirche in Rosenau: rumänische Wikipedia, Artikel „Biserica evanghelică din Râșnov“.
