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Lichtertsingen in Siebenbürgen: Ein alter Weihnachtsbrauch kehrt zurück

von Jürgen Schnabel 5 Min. Lesezeit

Lichtertsingen in Siebenbürgen: Ein alter Weihnachtsbrauch kehrt zurück

Wenn in der Adventszeit die Kerzen am Lichtert leuchten und traditionelle Weihnachtslieder durch die Kirchen erklingen, werden Erinnerungen an eine jahrhundertealte siebenbürgisch-sächsische Tradition wach. Die Projektgruppe Haferland möchte diesen besonderen Brauch auch in diesem Jahr lebendig halten und lädt im Dezember 2026 zu mehreren Veranstaltungen in Siebenbürgen ein.

Weihnachten in Siebenbürgen war schon immer mehr als ein Fest mit gutem Essen, geschmückten Häusern und Geschenken. Gerade in den siebenbürgisch-sächsischen Dörfern gehörten die Gottesdienste und die über Generationen weitergegebenen Bräuche fest zur Weihnachtszeit. Einer davon ist das Lichtertsingen, das vielerorts bis heute einen besonderen Platz in den Herzen der Menschen einnimmt.

Mit ihrer neuesten Initiative möchte die Projektgruppe Haferland dazu beitragen, dass diese Tradition nicht in Vergessenheit gerät. Die Veranstaltungen im Dezember bieten Gelegenheit, den Lichtertbrauch kennenzulernen, alte Erinnerungen aufleben zu lassen und gemeinsam die besondere Atmosphäre der Adventszeit zu erleben.

Ein Brauch mit langer Geschichte

Der Lichtert, auch Christleuchter genannt, gehört zu den bemerkenswerten Traditionen der Siebenbürger Sachsen. Seine Geschichte reicht weit zurück. Schriftliche Belege für den Leuchterbrauch gibt es bereits aus dem 14. Jahrhundert. Eine Erwähnung aus dem Jahr 1334 wird mit dem Brooser Stuhl in Verbindung gebracht.

Wie der Brauch ursprünglich entstanden ist, lässt sich heute nicht mehr mit letzter Sicherheit sagen. Fest steht jedoch, dass sich in den siebenbürgisch-sächsischen Gemeinden eine ganz eigene Form des weihnachtlichen Leuchtersingens entwickelt hat.

Der Lichtert ist dabei weit mehr als ein festlicher Schmuck für die Kirche. Er steht für Licht und Hoffnung und ist eng mit der Feier der Geburt Christi verbunden. In einer Zeit, in der die Dörfer im Winter oft in Dunkelheit lagen, müssen die Kerzen in den Kirchen eine ganz besondere Wirkung gehabt haben.

Ein kunstvoll geschmückter Christleuchter

Die Herstellung eines Lichterts erforderte viel Geschick und Geduld. Je nach Heimatort unterschieden sich Form und Gestaltung teilweise deutlich. Meist bestand das Grundgerüst aus Holz, das mit Ringen, gebogenen Holzstäben und weiteren Elementen aufgebaut wurde.

Anschließend wurde das Gestell mit immergrünen Zweigen geschmückt. Bunte Papierblumen, kleine Fähnchen und weitere Verzierungen gaben jedem Lichtert sein eigenes Aussehen. Die Kerzen bildeten den leuchtenden Mittelpunkt.

In vielen Orten gehörten sieben Kerzen als sogenanntes Siebengestirn zum Aufbau. Die unterschiedlichen Formen und Verzierungen spiegeln die Vielfalt der siebenbürgisch-sächsischen Gemeinden wider. So wurde der Lichtert nicht nur zu einem Zeichen des Weihnachtsfestes, sondern auch zu einem Stück örtlicher Identität.

Hinter seiner Herstellung steckte viel Gemeinschaftsarbeit. Das Sammeln des Wintergrüns, das Binden der Zweige und das Anbringen der Verzierungen waren Aufgaben, bei denen vor allem Kinder und Jugendliche eine wichtige Rolle spielten. Der Brauch begann also nicht erst mit dem Gottesdienst. Die gemeinsame Vorbereitung gehörte von Anfang an dazu.

Wenn Gesang und Kerzenlicht die Kirche erfüllen

Traditionell versammelten sich die Lichtertsänger vor Beginn des Gottesdienstes im Kirchhof. Gemeinsam zogen sie mit ihren geschmückten Leuchtern in die Kirche ein. Dort wurden die Lichterte aufgestellt oder gehalten, während die Kerzen den Kirchenraum in ein warmes Licht tauchten.

Ein wesentlicher Bestandteil war das Lichtertsingen selbst. Die Sänger trugen traditionelle Weihnachtslieder vor, teilweise im Wechselgesang zwischen verschiedenen Gruppen. Häufig stimmte am Ende auch die gesamte Gemeinde mit ein.

Wer diesen Brauch selbst erlebt hat, verbindet damit oft ganz persönliche Erinnerungen: an die Aufregung der Kinder vor dem Gottesdienst, an die festlich geschmückte Kirche, an vertraute Weihnachtslieder und an das Gefühl, gemeinsam etwas Besonderes zu erleben.

Für viele Siebenbürger Sachsen sind diese Bilder bis heute eng mit ihrer Heimat verbunden. Gerade deshalb ist es wichtig, solche Traditionen nicht nur in Erinnerungen weiterleben zu lassen, sondern sie auch den jüngeren Generationen zugänglich zu machen.

Eine Tradition, die neue Menschen erreichen soll

Wie viele überlieferte Bräuche hat auch das Lichtertsingen im Laufe der Zeit Veränderungen erfahren. In zahlreichen siebenbürgisch-sächsischen Gemeinden wurde die Tradition nur noch selten gepflegt oder geriet zeitweise ganz in Vergessenheit. Mit dem Wandel des dörflichen Lebens und der Auswanderung vieler Gemeindemitglieder gingen vielerorts auch die Menschen verloren, die den Brauch über Generationen weitergegeben hatten.

Umso erfreulicher ist es, wenn sich heute Menschen dafür einsetzen, diese Tradition wieder stärker ins Bewusstsein zu rücken. Die Initiative der Projektgruppe Haferland setzt genau hier an.

Dabei geht es nicht allein darum, einen alten Brauch möglichst unverändert zu bewahren. Es geht auch darum, Menschen zusammenzubringen, Erinnerungen zu teilen und den besonderen Charakter der siebenbürgisch-sächsischen Weihnachtskultur erlebbar zu machen.

Die Veranstaltungen im Dezember bieten dazu eine schöne Gelegenheit. Sie richten sich an Menschen, die den Lichtert aus ihrer Kindheit kennen, ebenso wie an diejenigen, die diesen Brauch zum ersten Mal erleben möchten.

Die Termine im Dezember 2026

Im Advent lädt die Projektgruppe Haferland zu vier Veranstaltungen ein. Die Gottesdienste und das Krippenspiel finden an folgenden Orten statt:

Deutsch-Kreuz (Criț)

Donnerstag, 17. Dezember 2026, um 17:00 Uhr

Gottesdienst mit Lichtertsingen

Hammersdorf bei Hermannstadt (Gușterița, Sibiu)

Samstag, 19. Dezember 2026, um 18:00 Uhr

Gottesdienst mit Lichtertsingen

Deutsch-Pien (Pianu de Jos)

Sonntag, 20. Dezember 2026, um 12:00 Uhr

Gottesdienst mit Krippenspiel

Petersdorf bei Mühlbach (Petrești, Kreis Alba)

Sonntag, 20. Dezember 2026, um 18:00 Uhr

Gottesdienst mit Lichtertsingen

Im Anschluss an die Veranstaltungen ist in den Kirchhöfen Zeit für Begegnungen und gemütliches Beisammensein vorgesehen. Musikalische Unterhaltung und Glühwein sollen dazu beitragen, dass die Besucher den Nachmittag oder Abend in vorweihnachtlicher Atmosphäre ausklingen lassen können.

Ein Stück Heimat, das weiterleben soll

Traditionen bleiben nicht allein deshalb lebendig, weil sie eine lange Geschichte haben. Sie brauchen Menschen, die sich ihrer annehmen, sie weitergeben und ihnen auch heute einen Platz im Gemeinschaftsleben einräumen.

Das Lichtertsingen zeigt auf besondere Weise, wie eng Glaube, Musik, Handwerk und Gemeinschaft in der siebenbürgisch-sächsischen Kultur miteinander verbunden sind. Der geschmückte Leuchter, die brennenden Kerzen und die vertrauten Lieder erzählen von einer Vergangenheit, die für viele Menschen bis heute Bedeutung hat.

Die Initiative der Projektgruppe Haferland ist deshalb auch eine Einladung, sich wieder stärker mit den eigenen Wurzeln zu beschäftigen. Wer den Brauch aus früheren Jahren kennt, kann Erinnerungen weitergeben. Wer ihn noch nie erlebt hat, kann eine besondere Seite siebenbürgisch-sächsischer Weihnachtskultur entdecken.

Vielleicht entsteht dabei genau das, was solche Traditionen seit Jahrhunderten ausmacht: Menschen kommen zusammen, singen miteinander und erleben, dass Heimat nicht nur ein Ort ist, sondern auch in Liedern, Bräuchen und gemeinsamen Erinnerungen weiterlebt.

Die Projektgruppe Haferland freut sich auf zahlreiche Besucher und darauf, gemeinsam mit ihnen das Lichtertsingen als lebendigen Teil siebenbürgisch-sächsischer Weihnachtskultur zu feiern.

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